Tobrukstände im Bereich der "Ostfriesischen Halbinsel"

Letzte Relikte des "Friesenwalls" - Tobrukstände (Ringstände R 58) einfachster Bauausführung

Kurzinfo: Es handelt sich hierbei um "Friesentonnen". Der Begiff wurde im Bereich der Deutschen Bucht nachweisbar für Ringstände einfachster Bauart benutzt und ist auch in Schriftdokumenten wiedergegeben. Als "Friesentonnen" wurden sowohl einteilige "Tobrukstände" (benannt nach der Festung Tobruk Nordafrika / Afrikakorps Rommel) einfachster Form bezeichnet, wie auch die aus mehreren Teilen bestehenden "Kochbunker / Koch-Bunker / Kochstände / Koch-Stände" (nach Gauleiter Koch Ostpreußen).

Es handelt sich hierbei um die einfachste Ausführung eines Tobrukstandes (Regelbau R 58 A/B/C/D) in transportabler Form. Der ursprüngliche und am Atlantikwall weit verbreitete Tobrukstand-Typ besaß einen zusätzlichen Eingangsvorbau mit Zugangstunnel und war insgesamt massiver ausgeführt worden. Diverse Male wurde der einfache Tobrukstand im Bereich Emden / Wilhelmshaven am Ende des Krieges während des Baues des so genannten Friesenwalles aufgestellt. Auch beispielsweise im Gebiet Friesland südwestlich von Wilhelmshaven (am Ellenserdammer Tief und bei Neustadtgödens) wurden zwei dieser Objekte als noch immer existent nachgewiesen. Ein weiterer Tobrukstand wurde aus Friedeburg im Jahre 2013 nach Wilhelmshaven umgebettet. Sogar direkt im Bereich Aurich fast genau auf der Linie des projektierten Friesenwalles wurde ein Stand im Jahr 2011 "wiederentdeckt". Dieser Ringstand-Typ wird daher auch als so genannte Friesentonne bezeichnet. Die Objekte wurden zumeist unter Erdgleiche in Wällen und Deichen angelegt.

Eine weitere Bezeichnung bauartähnlicher, aber oft mehrteilig gegossener Objekte lautet Koch-Bunker, benannt nach dem damaligen Gauleiter Ostpreußens, welcher diese Objekte ab Mitte 1944 an der ostpreußischen Grenze und an der Küste aufstellen ließ. Die Stände wurden teilweise auch mit vier Sichtscharten ausgeführt. Die ebenfalls in Wilhelmshaven errichteten Splitterschutzzellen tobrukstandähnlicher Bauform waren jedoch keine Koch-Bunker, sondern wiederum eine eigene Bauart.

Bilder noch heute vorhandener einfacher Tobrukstände und Varianten:

Wilhelmshaven Geniusbank / inzwischen überschüttet

Die seitliche Öffnung war der Zusatzeinstieg (Notausstieg). Projektiert war sie jedoch ursprünglich als Haupteinstieg. In vielen Fällen konnte der Soldat das Innere aber auch über die obere Öffnung seitlich am MG vorbei betreten und verlassen. Dafür waren im Inneren serienmäßig für die zunächst als Notausstieg projektierte obere Öffnung zwei bis drei Steigeisen angebracht. Nicht immer waren die seitlichen Einstiege freigeräumt. Falls dem so war, führte oft eine befestigte Schneise im Erdreich zu der Öffnung hin. Die Tobrukstände waren allermeist ursprünglich erdversenkt.

 

Wilhelmshaven Bordumer Busch / drei Stände

 

Wilhelmshaven Neuengrodener Deich / unweit nördlich der "Grodenbatterie"

 

Wilhelmshaven Hessenser Weg / 11 Stände abgewandelter Bauform (wohl für Eisenbahnflak / Reichsbahn)

 

L 815 Brücke Ellenserdammer Tief

(achteckig außen wie innen)

 

B 436 Neustadtgödens

(achteckig außen wie innen)

 

Friedeburg Weide südlich Zwischen den Wällen

08.12.12: Anfang Dezember 2012 wurde der Tobrukstand ausgegraben und an den Weiderand verbracht, der Tobrukstand wurde nachweisbar vor Ort gegossen. Am Standort entsteht seit Herbst 2012 ein Neubaugebiet.

Der dauerhafte Erhalt des Objektes ist gesichert. Mehr Informationen dazu demnächst.

24.05.13: Nach fast einem halben Jahr Stagnation nun Tätigkeit. Das Erdreich kommt raus aus dem Inneren. Schon bald wird der Tobrukstand, dessen dauerhafter Erhalt gesichert ist, nach Wilhelmshaven umgebettet werden. Wir berichten zeitnah weiter!

Umbettung Tobrukstand "Friesenwall" von Friedeburg nach Wilhelmshaven

Nach einem halben Jahr Vorbereitung und Koordinierung sagen wir heute: "Ende gut, alles gut!" Der Tobrukstand als interessantes, martialisches Zeugnis des geplanten "Friesenwalls", in einem Friedeburger Erdloch für einen MG-Schützen Ende 1944 gegossen, wurde heute intakt nach Wilhelmshaven verbracht. Er steht nun als erster von fünf Kleinbunkern auf dem IEHF-Gelände am Kanalweg. Wir danken der Firma Hepag für den reibungslosen Transport, der Interessengemeinschaft zur Erhaltung historischer Fahrzeuge für den Stellplatz, der Firma JK-Fahrzeugtechnik für die Holzspende, dem WZ-Fotografen für die Ausdauer (wir hatten uns um ca. 30 min. mit der Ankunft verschätzt) und Herrn Wiard Remmers, der alles damals und bis jetzt durch seine Hilfe erst ins Rollen brachte.

29.07.13: In der Wilhelmshavener Zeitung wurde heute über die Umsetzung des Tobrukstandes von Friedeburg nach Wilhelmshaven berichtet.

 

Östlich Greetsiel (Schoonorth / Schoonorther Sommerpolder) nördlich Störtebeker-Straße (Störtebeker-Riede) / östlich Alter Damm / westlich Zur Hohen Plate / im Schlafdeich

 

Osteel Kämpeweg

 

Rysum

 

Emden Frisiadeich (hinter dem Klärwerk)

 

Emden Frisiastraße

 

Emden-Larrelt Amselstraße

 

Emden-Marienwehr

 

Emden Alter Seedeich

 

Emden Verbindungsschleuse (Koch-Stand / zweiteilig)

 

Emden-Osterhusen (Koch-Stand / zweiteilig - Trennungsfuge über Einstieg nur ansatzweise zu sehen, da zusätzlich mit dünner Betonschicht umputzt)

 

Aurich-Wallinghausen Querweg / Moorweg (fast auf hinterer Linie Friesenwall)

Die Umbettung des Objektes zum Bunkergrundstück Norderneystraße nach Wilhelmshaven sollte am 27. März 2012 erfolgen.

DIE UMBETTUNG IST AUFGRUND WIDRIGER EXTERNER EREIGNISSE GESCHEITERT / wir berichten, sobald sie doch noch stattfinden sollte.

17.09.12: Am 14. September 2012 wurde der Tobrukstand nach Wilhelmshaven an den beschriebenen Ort umgebettet.

18.09.12:

Aufnahmen vom neuen Standort.

 

©: H. Raddatz / H. Giesselmann / H. Haake / O. Helweg

 

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